Therapeutischer Ansatz

Philosophie und Idee

Bei Schritt für Schritt werden Erfahrungen aus bisher bekannten Therapien zur Behandlung von Kindern mit Defiziten zu praktisch funktionierenden Konzepten zusammengeführt und als neues Modell zu einer entwicklungsgerechten Therapie genutzt.

Das Planungskonzept orientiert sich an der Konduktiven Förderung, die Therapie selbst an etablierten Methoden von Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Zusatzleistungen wie neuropsychologische Betreuung, fachärztliche Beratung sind Teil unseres Konzeptes.

Durch die optimale Kombination der genannten Teilbereiche fanden wir einen Weg, der sowohl den therapeutischen Bedürfnissen der Kinder entspricht, als auch die Entlastung der Eltern ermöglicht.

Die Therapien im Förderzentrum sind eine sinnvolle Zusammenführung zu den meist inhaltlich, personell, örtlich und zeitlich getrennten Therapieangeboten dar. In einer koordinierten Zusammenarbeit verschiedener Therapeutinnen, Pädagoginnen und Ärzten erfährt das Kind auf eine kindgerechte, motivierende und individuelle Art und Weise, eine mit Alltagsaktivitäten verknüpfte, therapeutische und pädagogische Förderung.

Im Mittelpunkt der Therapie steht die Aktivität der Kinder. Unser Ziel ist es, die Potenziale der Kinder aufzuzeigen und mit Eltern und Kindern aktiv an der Entwicklung zu arbeiten. Die Kinder sollen selbst lernen ihre motorischen und sensomotorischen Fertigkeiten zu verbessern und befähigt werden, selbst Wege zu finden, ihre Ziele zu erreichen.

Die Therapien werden in ein Motivationskonzept integriert, das den Kindern ermöglicht, ihre Ziele spielerisch zu erreichen. Die Therapie wird nicht als Belastung wahrgenommen. Verschiedenste Themen, wie der Transfer der Therapie in den Alltag, die Ziel- und Methodenerarbeitung für Zuhause, die gleichzeitige Entlastung der Eltern während der intensiven Therapie im Zentrum, die übergeordnete medizinische Versorgung mit fachärztlicher neuroorthopädischer Beratung sowie die Abstimmung auf das Krankheitsbild und Entwicklungsalter der Kinder werden im Rahmen des Aufenthaltes kombiniert.

Therapie

Kinder mit Behinderungen sollen spielerisch lernen selbstständig zu werden. Im Förderzentrum werden Methoden der Konduktiven Förderung gemeinsam mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie kombiniert, um die Fähigkeiten der Kinder bestmöglich anzuregen. Dies ist eine besondere Herausforderung, da es bei Kindern im Unterschied zu Erwachsenen nicht darum geht, verloren gegangene Fähigkeiten wieder zu erwerben. Sondern sie müssen mit ihrer Behinderung erst die normalen Fähigkeiten erlernen: Trinken, Essen, Wahrnehmen, Gehen, Sprechen, Gefühle entwickeln und kontrollieren, soziale Kontakte aufbauen. Die Konduktive Förderung ist eine Erweiterung der klassischen Therapie durch ein Motivations- und Verständniskonzept, das der ungarische Arzt Petö in den 50-er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelt hat.

Das Therapiekonzept ist besonders geeignet für Kinder mit Funktionsstörungen des Gehirns, wie sie bei der „infantilen Zerebralparese” vorkommen. Neben den sichtbaren Beschwerden, wie Spastik und fehlender Bewegungskontrolle, haben die betroffenen Kinder oft auch Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung ihres Körpers und der Umwelt, manchmal auch ein vermindertes Hör- und Sehvermögen. Auch Aufmerksamkeitsstörungen und weitere Behinderungen einer normalen Entwicklung sind möglich.

Das Förderzentrum stimmt die Therapieziele auf die Einschränkungen und das Entwicklungspotential der Kinder ab. Soziales Lernen ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Therapie. So wird neben gezielten Einzelbehandlungen mit Physiotherapie und Ergotherapie vormittags eine Gruppentherapie nach einem modifizierten Muster der Konduktiven Förderung durchgeführt. Das Konzept vereint Spiel mit Therapie. Lernen ist ein “Erforschen und Abwägen” der Möglichkeiten. Der Erfolg lässt sich messen: am selbständigen Verwenden von neu erworbenen Fähigkeiten. Der Familienalltag wird in die Therapie hereingeholt. Das Kind sieht Parallelen zwischen Daheim und Therapiezentrum. In Teilen des Tagesablaufes ist auch die Mitarbeit der Eltern an der Therapie möglich und erwünscht. Außerdem kann die Erforschung der Umwelt „auf eigene Faust” erlernt werden. In jedem Alter ist es spannend.

Das Team soll unter neurologisch fachärztlicher Leitung geführt werden, bestehend aus Neuroorthopäden, Orthopädietechnikern, Neuro-psychologen sowie Therapeutinnen der Fachrichtungen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und der Konduktiven Förderung.

Sowie bereits in anderen Bundesländern soll die Therapie durch einen Kooperationsvertrag des Landes Tirol ermöglicht werden. In einigen Bundesländern ist auch die Zuweisung über die Sozialversicherungen möglich.

Kinder mit Mehrfachbehinderungen haben einen erhöhten Therapie- und Pflegeaufwand. Wir sehen nicht nur den Bedarf, die Kinder optimal auf ihr zukünftiges Leben vorzubereiten, sondern auch die Eltern physisch, psychisch und seelisch zu entlasten.

Durch die Kombination etablierter Therapiemethoden und die Zusammenarbeit in einem multidisziplinären Team aus Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonen, schaffen wir ein einzigartiges Therapieangebot und stellen die Förderung der Kinder in den Mittelpunkt unseres Handelns.

Gruppen und Einzeltherapien

Die Therapiemaßnahmen werden in Gruppen- und Einzeltherapien durchgeführt.

Die Gruppengröße ist abhängig vom Betreuungsaufwand der Kinder. Kinder mit einer infantilen Cerebralparese werden je nach Beschwerdebild (z. B. Di- und Tetraplegie) in Gruppen mit maximal 3-4 Kindern untergebracht. Die Gruppe wird jeweils von einem / einer MitarbeiterIn der Physio- oder Ergotherapie begleitet, sowie von einer Konduktorin und einer versierten Hilfskraft.

Das Wochenprogramm erstreckt sich von Montag bis Samstag. Spielerisch wird an den Fähigkeiten der Kinder gearbeitet. Die Schwerpunkte liegen dabei im motorischen Bereich sowie in der Wahrnehmungsförderung. Ein besonderes Augenmerk gilt dem Alltagstraining und dem Sozialverhalten der Kinder.

Zusätzlich finden individuelle Einzeltherapien, wie Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Motomed und Massage unter konduktiver Leitung, statt. Die Einzeltherapien dauern meist eine Stunde und sind auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt.

Die Eltern sollten jedoch über den Ablauf der EINZELTHERAPIE, die Ziele und die Erfolge informiert sein. Hierfür ist ein regelmäßiger Kontakt der Eltern mit den Therapeuten notwendig. Neben den Zielen und Erfolgen kann hierbei auch professionelle Beratung über das weitere Handling zu Hause gegeben werden.